Folge 10

Aus U.S.S. Friendship

Zusammenfassung

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Autor: Savvy N'Daye
Titel: Folge 10

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Langsam füllte sich die Bar. Savvy verbrachte gerne ein paar Stunden hier ab

und an, wenn er nicht in seinem Quartier an irgendwas technischem tüftelte. Es gefiel dem seit einem knappen Jahr frischgebackenen Doktor, hier die Leute zu beobachten. Oft genug inspirierte ihn das ein oder andere Erlebnis dann, an seinem Roman weiterzuschreiben. Grinsend sah er sich gerade an, wie die Vulkanierin drei Tische weiter gerade einen Menschen abblitzen ließ. Gefühle passten eben nicht zu Vulkanierinnen... Seufzend sah Savvy auf seinen Chronometer. Zeit, seinen Wachdienst anzutreten. Noch war seine Mannschaft nicht vollzählig, noch immer fehlten zwei Crewman. Der Chief der Friendship hatte es sich nicht nehmen lassen, die nicht besetzten Schichten so oft wie möglich selbst zu übernehmen. Es war nicht die Schuld seiner Crew, daß er die Posten noch nicht hatte besetzen können. Manchmal fragte er sich, ob er zu sehr Perfektionist war, um passende Mitarbeiter zu finden. Die Gerüchte über seine Auswahlverfahren hatten sich schon bis zu ihm selbst herumgesprochen. Natürlich waren die zum Teil stark überzogen, aber der Afrikaner sah keinen Grund, das zu ändern. Er war zufrieden mit seinem Ruf. Zumal er dadurch desöfteren für eine Überraschung sorgen konnte. Wie zum Beispiel gleich in der ersten Woche auf der Friendship.

Es war morgens, wenn man im All überhaupt von Tageszeiten sprechen konnte. Jedenfalls war es sieben Uhr Bordzeit. Genau sieben Uhr. Pünktlichkeit war etwas, auf das Savvy sehr viel Wert legte. Wie schon an den vergangenen beiden Tagen war dies genau die Uhrzeit, zu der der Chief jeden Tag zur Technischen Besprechung lud. Wie auch an den vergangenen beiden Tagen war die gesamte Technische Abteilung anwesend. Die Zeit war von ihm extra so gewählt, daß die zweite Nachtwache noch da war und die erste Frühwache schon Dienstbeginn hatte. Für die Spät- und die erste Nachtwache war ausreichend Zeit, entweder vor oder nach der Besprechung zu ruhen, so daß wirklich alle Mitarbeiter seiner Abteilung an der kurzen Besprechung teilnehmen konnten. Ebenfalls wie an den vergangenen beiden Tagen war es mucksmäuschenstill, als Savvy in den Besprechungsraum des Maschinendecks trat. „In den vergangenen Tagen sind mir ein paar Sachen aufgefallen, die ich so nicht lassen möchte. Eines davon – und zwar ist das mir sogar das Wichtigste – ist der Umgang untereinander. So geht das nicht!“ Wieder blickte der Chief von einem zum anderen. Belustigt stellte er fest, daß seine Worte genau die Wirkung hatten, die er haben wollte. Die meisten seiner Mitarbeiter waren Menschen. Und Menschen nahmen erstmal jede Kritik auf, auch wenn sie sich selbst nichts vorzuwerfen wußten. „Leute, wir sind Techniker. Wir sorgen dafür, daß die Friendship fliegt, daß ihre Sensoren das anzeigen, was sie anzeigen sollen und daß das Schiff beim Abbiegen nicht quietscht.“ Gelächter flammte kurz auf, aber Savvy setzte seine kleine, nicht immer so ganz ernst gemeinte Ansprache fort. Der Schalk stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, während er redete. „Wir sollen ein Team sein und wir wollen ein Team sein. Und im Störungsfalle wäre es gut, wenn wir uns ohne Worte verstehen würden, wenn jeder ohne großes Kommando weiß, was zu tun ist. Und ein 'Jawohl, Sir' kann wichtige Millisekunden kosten, die wir dann nicht haben. Ich denke, daß jeder in der Lage ist, seinen Respekt vor seinen Kollegen – zu denen auch ich gehöre – auch ohne große Förmlichkeiten zu bewahren. Daher ordne ich an, daß sich die Technische Abteilung untereinander duzt. Das gilt besonders auch für den Umgang mit mir. Wenn wir ein förmliches Gespräch führen, wird das sicher jeder von euch bemerken, das garantiere ich. Für alle anderen Gelegenheiten gilt die Anordnung ohne Einschränkungen. Rumblödeln ist hiermit also ausdrücklich erlaubt, natürlich in Maßen. Hat jemand dazu noch Fragen?“ Offensichtlich erleichtert schüttelten alle den Kopf, bevor Savvy die Besprechung lachend beendete und die Leute den Raum verließen.

Heute morgen nun war es wieder Zeit für eine kleine „AiD“, wie Savvy insgeheim eine Anormalität im Dienstablauf nannte. Als Savvy in den Besprechungsraum eintrat, erblickte er nur verwunderte Gesichter. Amy, der jungen Kadettin, blieb sogar der Mund offen stehen. Vor Schreck, wie Savvy annahm. Savvy grinste nur, als er durch die Runde blickte. Er hatte die Uniform heute im Schrank gelassen und stattdessen einen Montageanzug vorgezogen, der auch nicht mehr ganz neu war und die Friendship schon im Rohbau gesehen hatte. Der Afrikaner sah aus, als käme er gerade aus den Tiefen des Warpkerns. „Ich nehme an, ich sorge mit meiner fehlenden Uniform für Verwirrung?“, fragte er. Nur das Nicken seiner Mitarbeiter antwortete ihm. „Amy, du kannst den Mund wieder schließen. Mein Aufzug ist nicht ansteckend.“ Freundlich lächelte er das Mädchen an, die zwar bestätigend nickte, den Mund aber noch immer nicht zu bekam. „Ich empfehle übrigens der Frühwache, sich ebenfalls passend zu kleiden. Auch wenn die Friendship neu ist, sind die Wartungsgänge zu den Sensoren nicht zu hundert Prozent grundgereinigt. Wäre schade um die teuren Uniformen. Lohnen wird sich der Ausflug von heute in ein paar Wochen, wenn wir die Umbauarbeiten abgeschlossen haben. Wir können dann die Sensoren einfacher rejustieren und kalibrieren. Direkt vom Maschinendeck aus. Bis zum ersten Testlauf muß ich jedoch strenge Geheimhaltung gegenüber den anderen Crewmitgliedern anordnen, da uns sonst einiges an Spaß wohl flöten geht. Die Besprechung ist damit beendet, wegtreten! Die Frühwache erwarte ich in einer viertel Standardstunde wieder hier.“ Die Arbeiten hatte Savvy schon in der Bauphase der Friendship geplant, aber die Software hatte er damals nicht mehr fertigstellen können. Die Eingriffe waren derart kritisch, daß er die Programme ausführlich testen wollte, um Fehler in den Sensorenanzeigen auszuschließen. Gestern war er sich dann sicher, daß die Software funktionierte. Kiana hatte er gestern abend bereits eingeweiht und ihr auch Gelegenheit gegeben, die Planungen zu prüfen, was sie auch getan hatte. Sie war von seiner Arbeit überzeugt und hatte sogar noch ein paar zusätzliche Schnittstellen zur Verfügung stellen können. Heute morgen um fünf hatte er mit Kiana und auch mit Cho, der kurzfristig noch hinzugezogenen Nanotechnologie-Spezialistin, ein letztes Mal die Änderungen beraten. Sie waren sich einig in zwei Dingen: die Änderungen würden positive Auswirkungen haben und die geplante Vorstellung der Neuerungen würde ihnen einen Mordsspaß garantieren. Allein Letzteres wäre die Umbauarbeiten wert...

Zwischenzeitlich hatte Savvy den Weg von der Bar zum Maschinendeck zurückgelegt. Noch einmal sah er auf sein Chronometer. Oben auf der Brücke mußten sie bereits die ersten Auswüchse der Neuerung entdeckt haben – ohne es zu wissen natürlich. Als er die Hauptkonsole erreichte, traf auch nicht ganz unerwartet die Meldung von der Brücke ein. Es waren Trümmerteile gesichtet worden, unbekannter Herkunft. Man wollte Teile an Bord beamen, weswegen der Chief in den Transporterraum gerufen wurde. Savvy rief Cho und Kiana noch, dann zogen sie los. Ein wenig Mühe hatte Savvy schon, bei dem Gedanken an die doch nicht soo unbekannte Herkunft der Trümmerteile. Aber er riß sich zusammen. Völlig ernst aussehend kamen die drei im Transporterraum eins an. Nicht einen Moment zu spät. Der Beamvorgang wurde gerade eingeleitet. Zwei oder drei Augenblicke später sahen alle interessiert auf die Plattform. Captain Leong, der Erste Offizier Maverick, Lieutenant Andrade und der Chef der Sicherheit, Grey sahen genau dasselbe wie die drei Techniker: nichts! Nicht das Geringste Teilchen war zu sehen. „Lieutenant Andrade, nochmal erfassen und beamen!“, kommandierte Shiong-Soon Leong und der Lieutenant an der Konsole führte das Kommando mit genau dem gleichen Erfolg erneut aus. „Sind sie sich sicher, daß der Transporter korrekt funktioniert?“, wandte sich Leong an Andrade. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, daß sowohl Transporter als auch Sensoren funktionieren, Captain“, beantwortete Savvy die Frage postwendend. Ebenso postwendend drehte sich Leong zu seinem Chief um, einen ganzen Stapel an Fragen in den Augen. „Captain,...“, begann der Afrikaner mit der Beantwortung, bevor Leong auch nur ein einziges Wort sagen konnte, „wir haben in den vergangenen Tagen die Sensoren umgebaut und der Steuerungselektronik ein zusätzliches Modul hinzugefügt, welches Sensorsignale in die Sensoren zurückspeisen kann. Zuerst hatte ich daran gedacht, ihnen ein schickes Bild meiner angolanischen Heimat mit dem Ozean als Hintergrund auf den Hauptbildschirm zu projizieren, dann aber kam mir der Gedanke, daß die nun gewählte Variante der Vorstellung der neuen Möglichkeiten vielleicht eindrucksvoller wäre.“ In einer kurzen Pause forschte Savvy in den Gesichtern der anderen nach deren Gedanken. Besonders beim Sicherheitschef, Robert Grey, ließ sich aber kaum eine Reaktion erkennen. Savvy war sich nicht sicher, wie er den kleinen Spaß fand. Aber so hatte er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Alle wußten, daß die Sensoren der Friendship nun mehr Funktionen besaßen als bisher und jeder war sich mal wieder im Klaren darüber, daß man technischen Geräten und vor allem deren Anzeigen gegenüber immer mißtrauisch sein sollte. Nach Savvys Geschmack verließen sich die meisten Leute blind auf solche Informationen, was er nun mit seinem Stab wieder einmal – recht eindrucksvoll, wie er fand – veranschaulicht hatte.

„Die Sensorsteuerungselektronik ist nun in der Lage, programmierte Signale komplex auf andere Systeme eines Schiffes oder auch einer Station zu übertragen. Mit komplex meine ich damit auf mehrere Systeme, so daß eine sowohl visuelle Darstellung auf Monitoren als auch eine sensorische Darstellung in anderen Teilsystemen wie zum Beispiel auch in unserem Transporter möglich ist. Dazu ist bei schiffsexternen Empfängern lediglich Zugang zu einem Bordsystem erforderlich. Wenn keine breitbandige Radiowellenübertragung möglich ist, würde sogar ein normales Datenkabeln ausreichen. Dadurch, daß wir unsere eigenen Sensoren manipulieren und die aufbereiteten Daten direkt aus deren Steuerungselektronik abgreifen und versenden können, sparen wir nicht nur Rechenzeit, die sonst ein solches Manöver auffliegen hat lassen. Selbst wenn das manipulierte Zielsystem, also das andere Schiff oder was auch immer, unsere eigenen Sensoren anzapft, bekommen sie genau dasselbe Bild, egal auf welchem Weg sie sich in die Systeme der Friendship einklinken. Für die Demonstration haben wir übrigens nur ein relativ einfaches Datenmuster gewählt, weswegen sie keinerlei Details auf den Trümmerteilen ausmachen konnten.“ Mit einem leichten Grinsen im Gesicht, aber vor Neugierde fast platzend erwartete Savvy nun die Reaktionen der anderen.


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