Folge 12

Aus U.S.S. Friendship

Zusammenfassung

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Autor: Yanas Edan
Titel: Business as usual

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23.07.2387 - 4.45 Uhr Stationszeit

„Ich hasse mein Leben!“, grummelte es unter einer Decke heraus, unter der nur ein Wust von blondem Haar hervor sah. Durch das Zimmer dudelte Musik, leise und sanft. „Ach, halt die Klappe!“, maulte es weiter, während der Hintern in die Höhe gestreckt wurde. Der Wust von blondem Haar verschwand unter der Decke, während die Frau sich auf ihre Arme stützte. Prompt verstummte der Weckton, dem die Ärztin jeden Morgen die Pest an den Hals wünschte und Yanas setzte sich grummelnd auf. Hätte sie nur irgendwas Vernünftiges gelernt, wünschte sie sich, wie an fast jeden Morgen. Irgendwas, bei dem man nicht in aller Herrgottsfrühe aufstehen mußte, wäre sehr angenehm gewesen.

Die Trill schälte sich aus dem Bett und warf einen mißmutigen Blick in Richtung Badezimmertür, hinter der sich die Schalldusche befand. Ihr Blick wanderte zurück zu ihrem Bett, das ihr ungemein verlockend um diese nachtschlafende Uhrzeit erschien. Sie seufzte, dann tappste sie hinüber in ihr Bad.



23.07.2387 - 5.00 Uhr Stationszeit.

Eine Karaffe Moraven-Saft, ein Jorja-Müsli und eine Tasse Mokka. Zufrieden betrachtete Yanas den gedeckten Frühstückstisch. Wie jeden Morgen hatte ihr die Schalldusche geholfen die Müdigkeit abzuschütteln. Jetzt war sie guter Dinge und fühlte sich zum Bäume ausreißen. Die Trill setzte sich auf den Stuhl, den sie üblicherweise benutzte und rührte hingebungsvoll in der Schale Müsli, dann goß sie sich ein Glas von dem Saft ein. Tatsächlich begann sie aber das Frühstück mit ihrem heißgeliebten Mokka. Sie war definitiv süchtig nach dem dunklen Getränk, aber sie mochte diese Sucht nicht missen. Irgendein Laster brauchte ja jeder, und der Kaffee war definitiv das ihre. Mit geschlossenen Augen genoß sie den ersten Schluck. Nicht umsonst sagte man, daß die anderen Sinne besser funktionierten, wenn man einen Sinn ausschaltete. Und so schmeckte der Mokka intensiver, als hätte sie die Augen aufgelassen.

Die Ärztin zog sich das Datenpadd mit der neuesten Ausgabe des „Federation Standart“ heran. Sie aktivierte das Display und studierte den Leitartikel. Dabei schob sie sich genüßlich Löffel um Löffel ihres Frühstücks in den Mund. Und so verschwanden Mokka, Moraven-Saft und Jorja-Müsli nach und nach. Schließlich legte sie das Datenpadd zufrieden zur Seite, straffte sich nochmals und verließ dann aufrecht ihr Quartier.



23.07.2387 – 6.00 Uhr Stationszeit.

Gut zwei Drittel ihres Teams hatten sich um Yanas versammelt. Sie pflegte gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und die täglichen Besprechungen zu den Schichtwechseln vorzunehmen. So hatte sie eine der Besprechungen gespart und immer einen möglichst großen Teil ihres Teams zusammen. Zumeist endeten diese Besprechungen schnell, denn es gab nur selten wirklichen Besprechungsbedarf, insbesondere, wenn es so wie jetzt, wo die Friendship an der Station vor Anker lag, nur wenige Patienten gab. Das meiste, was es zu erledigen gab war reine Routine und nicht wirklich der Rede wert. Und so konnte sie auch heute wieder die Nachtschicht einige Minuten nach sechs Uhr in ihre Betten entlassen, nicht ohne die übliche Ermahnung, sich jetzt gut auszuruhen.

Während die Mitarbeiter der Frühschicht an ihre Arbeit gingen, ging sie selber in ihr Büro hinüber, wo noch einiges an Lesestoff auf sie wartete. Von ihr als Chefärztin wurde erwartet, daß sie stets auf dem Laufenden blieb und ihr Team stets über Neuerungen informierte. Diese Aufgabe nahm sie sehr ernst, und so las sie alles das, was von ihr erwartet wurde – und noch einiges mehr.



23.07.2387 – 10.00 Uhr Stationszeit.

Die Runde über die Krankenstation verdiente heute kaum die Bezeichnung Visite. Einzig der kleine Bobby Saunders lag auf einer der Bioliegen. Er war gestern Abend von einem Schott gefallen, auf das er geklettert war. Doc Carter hatte ihn untersucht und eine leichte Gehirnerschütterung nicht ausschließen können. Sie hatte entschieden, daß der fünfjährige Junge 24 Stunden zur Beobachtung da bleiben solle. Die trillsche Chefärztin untersuchte ihn gewissenhaft. Sie glaubte an keine ernsthafte Verletzung des Jungen, dazu hielt er viel zu sprudelnd die anwesenden Pfleger auf Trab mit seinen Erzählungen. Aber Yanas lehnte Schludrigkeit ab, und so wurde der kleine Junge von ihr auf Herz und Nieren geprüft – natürlich ohne irgendetwas Besorgniserregendes zu finden.



23.07.2387 – 10.45 Uhr Stationszeit.

„Wie sieht es aus, Joseline?“, wollte sie von dem jungen Mädchen neben ihr wissen. Die Tochter eines Mitarbeiters der wissenschaftlichen Abteilung trug sich derzeit ernsthaft mit dem Gedanken an ein Medizinstudium. Yanas hatte dem Wunsch der Ranes gerne nachgegeben, das Mädchen in der Krankenstation zu beschäftigen. Sie arbeitete zweimal die Woche freiwillig hier. Der Ärztin machte die Arbeit mit dem Mädchen Spaß, was nicht zuletzt daran lag, daß Avari Edan mit Leib und Seele Lehrerin gewesen war.

Die Sechzehnjährige hielt der erwachsenen Frau ein Padd mit den Auswertungen des Versuchs hin, den die beiden vor etwas mehr als zwei Wochen begonnen hatten. Es handelte sich um eine Standard-Versuchsanordnung, wie sie gerne zu Beginn eines Studiums vorgenommen wurde. Yanas nahm das kleine Anzeigegerät aus der dunkelhäutigen Hand entgegen und studierte die Auswertungen. Das Mädchen machte ihr Freude. Es hatte definitiv Potential. Sie mußte es nur schaffen, die erforderlichen Noten zu erhalten, dann würde sie sicherlich ihren Weg machen.


23.07.2387 – 13.30 Uhr Stationszeit.

„Anaki?“ Yanas bückte sich, um einen Blick unter das Sofa zu erhaschen, denn oft machte der Salamander es sich unter dem Sofa bequem. Leider wurde sie dort genauswenig fündig wie an all den anderen Stellen ihres Quartiers. Sie hoffte inständig, daß der kleine Stromer nicht wieder irgendwelche fremden Quartiere – geschweige denn das ihres direkten Nachbarn – unsicher machte.

„Anaki?“, rief sie erneut fragend, diesmal unter einen Schrank spähend. Natürlich würde das Tier ihr keine Antwort geben, aber gelegentlich kam es zu ihr, wenn sie es rief. Insgesamt war er ebenso neugierig wie seine Besitzerin und nur selten zu halten, wenn irgendetwas sein Interesse geweckt hatte.

Seufzend richtete die Ärztin sich auf, als die Türglocke erklang. Halberlei rechnete sie damit, mal wieder den wutschnaubenden Sicherheitschef davor zu finden. Ihr Blick, der in das Gesicht eines Erwachsenen gegangen wäre fand jedoch nur die gegenüberliegende Wand, als sie die Tür geöffnet hatte. Ihr Blick glitt hinunter zu dem Mädchen, das vor ihr stand. Es handelte sich um Tara Grey. Auf ihrer Schulter saß ihr vermißtes Haustier und sah sie aus schwarzglänzenden Augen an.

Yanas lächelte Tara freundlich an. Sie mochte das Mädchen gerne. „Danke schön“, meinte sie und hielt ihre Hand an die Schulter das Mädchens, das ihr entflohener Quartiergenosse zum Anlaß nahm über den Arm an seiner Herrin hinauf bis auf deren Kopf zu klettern. Von hier oben war der Ausblick definitiv besser als von der Schulter des viel kleineren Mädchens.

Tara lächelte. „Er trieb sich in unserem Quartier herum, und ich dachte, ich bringe ihn herüber, ehe Dad ihn sieht“, meinte sie. Yanas konnte sich so was wie ein Grinsen nicht verkneifen. „Dann bin ich Dir gleich nochmal so dankbar“, antwortete sie und machte dann eine einladende Geste in ihr Quartier hinein. „Ich wollte gerade essen. Ich würde Dich gerne zum Dank einladen“, fuhr sie dann fort.

Das Mädchen lächelte und trat ins Quartier, nachdem die Ärztin den Eingang freigemacht hatte. Die Frau deutete auf den Eßtisch und frage nach: „Was willst Du essen?“ Tara meinte, ohne zu zögern: „Nudeln.“ Yanas nickte und ging hinüber zum Replikator. „Zwei Portionen Pasta al Chantura“, bestellte sie und brachte dem Mädchen gleich darauf einen der Teller. Darauf befand sich eine große Portion Teigwaren mit grünlicher Soße bedeckt. „Was ist das?“, wollte die entzückende Kleine dann wissen. Die Ärztin nahm Gabel und Löffel zur Hand und begann damit die Spaghetti aufzurollen.

„Das ist eine Variation von Nudeln mit Sauce Napoli. Statt der üblichen Zutaten von der Erde sind hierin Zutaten von Trill verwandt“, erklärte die Ärztin. Ihre Besucherin musterte den Teller mißtrauisch und versuchte dann todesmutig von dem Gericht. „Es schmeckt nicht viel anders als normale Tomatensauce“, meinte sie dann. Die Ärztin schmunzelte. „Die Zutaten sind zwar nicht identisch, aber durchaus vergleichbar“, meinte sie und schaufelte weiter von ihrem Mittagessen in sich rein. Eine Weile war es still am Tisch, dann verkündete der Türsummer, daß jemand Einlaß begehrte.

Die Ärztin stand auf und öffnete erneut die Tür. Diesmal ging ihr Blick in das Gesicht eines Erwachsenen, ihres Nachbarn. „Hallo, Mr. Grey“, begrüßte sie ihn. Sein Blick ging sofort an ihr vorbei in Richtung des Tisches, wo er seine Tochter erspähte. Den beiden Anwesenden wurde schlagartig klar, daß es vielleicht besser gewesen wäre den vor der Tür stehenden Mann zu informieren, bevor sie sich zum Essen hinsetzten.

Die Ärztin schaltete schneller als das Mädchen am Tisch. Sie machte dem Mann Platz, damit er ins Quartier treten konnte. „Da sind Sie ja endlich. Wir haben eine Weile auf Sie gewartet, und dann schon mal ohne Sie angefangen“, spielte sie, als wäre seine Einladung wohl verloren gegangen. Sie ging hinüber zum Replikator und orderte eine weitere Portion von ihrer eigenen Nudelkreation. Als sie sich herumdrehte, war Grey senior bereits am Tisch angelangt und saß gegenüber der beiden anderen. Sein Blick ließ keinen Zweifel daran, daß sie mit ihrer Scharade ganz sicher nicht durchkommen würde. Sie stellte den Teller vor ihm ab und ließ sich ihm gegenüber nieder. Schweigend wurde weitergegessen. Ein Gespräch wollte nicht so recht in Gang kommen. Bis Yanas bemerkte, wie ihr kleines Haustier es sich auf Roberts Schulter bequem machte. Yanas und Tara tauschten einen verzweifelten Blick. Wie sollte das nur gut gehen?


23.07.2387 – 14.00 Uhr Stationszeit.

Auch die Besprechung zu Beginn der Spätschicht hatte nichts großartig Aufregendes ergeben. Bobby Saunders hatte die Belegschaft der Frühschicht halbwegs auf Trab gehalten, was nicht so ganz unwillkommen gewesen war, ob der sonstigen gähnenden Leere der Krankenstation. Der übrige zu erwartende Tagesablauf war ebenso schnell abgehakt, wie der Tag bisher und so ging die Ärztin wieder in ihr Büro zurück, um sich die Unterlagen von Raj Kumar anzusehen. Der Inder fungierte an Bord als Kindergärtner. Jetzt, wo die Friendship sicher vor Anker lag, hatte er sich eine Vertretung für zwei Tage arrangiert. Er litt bereits seit einiger Zeit unter starken Schmerzen im Knie. Ihm war von mehreren Ärzten attestiert worden, daß die Schmerzen nur mittels eines künstlichen Kniegelenks zu beheben waren. Jetzt wollte er morgen den entsprechenden Eingriff vornehmen lassen. In einer guten Stunde würde er zu einer letzten Besprechung kommen, und dann wollte Yanas vorbereitet sein.


23.07.2387 – 15.30 Uhr Stationszeit.

Der junge Inder legte eine Hand an den Türrahmen und lehnte sich dann halb in den Raum hinein. „Haben Sie jetzt Zeit für mich, Doktor?“, wollte er wissen. Die Frau hinter dem Schreibtisch nickte und winkte ihn näher. Sie erhob sich halb, drückte seine Hand und ließ sich dann gemeinsam mit ihm wieder nieder.

Yanas legte das Padd, das seine Krankenakte enthielt wieder auf den Tisch zurück. Sie hatte bereits vor einigen Tagen alles notwendige veranlaßt. Das erforderliche künstliche Kniegelenk lag bereits seit vorgestern an seinem Platz. „Ist alles bereit?“, wollte er dann von ihr wissen. Raj war locker, weil es sich um einen relativen Routineeingriff handelte und die behandelnde Ärztin einen recht guten Ruf auf dem Gebiet hatte, dessen hatte er sich versichert.

Yanas nickte und meinte: „Wenn Sie wollen, dann können wir sofort anfangen.“ Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann doch noch bis morgen warten“, gab er Antwort. So wild war er nun auch wieder nicht darauf, unter ihr Laser-Skalpell zu kommen.

Sie lachte, denn sie hatte den Vorschlag nicht wirklich ernst gemeint. „Wir sehen uns also morgen früh, wie abgemacht. Bitte kommen Sie nüchtern. Das ist heutzutage zwar nicht mehr unbedingt erforderlich, schadet aber nach wie vor nicht“, erklärte sie ihm.

„Mach ich. Gibt’s sonst noch etwas, das ich beachten sollte?“, wollte er dann wissen. Sie schüttelte mit dem Kopf. „Hinterher gibt es einiges, das sie eine Zeit lang beachten müssen. Aber das werde ich Ihnen dann morgen nach dem Eingriff erklären“, antwortete sie, stand auf und reichte ihm die Hand. „Bis morgen früh, Mr. Kumar“, verabschiedete sie ihn und sah ihm dann nach, wie er erst ihr Büro und dann die Krankenstation verließ.


23.07.2387 – 16.30 Uhr Stationszeit.

Die Schichten in der Krankenstation rotierten. Niemand hatte immer nur die Nachtschicht oder immer nur eine der Tagesschichten. Lediglich die Zusammensetzung der Schichten blieb gleich, was den Vorteil hatte, daß sich eingespielte Teams bilden konnten. Im Notfall konnte dies buchstäblich Leben retten.

Jetzt stand die Chefärztin an einem der Monitore in der Krankenstation, ihr gesamtes Team um sich geschart. Sie erklärte gerade einige Neuerungen auf dem Gebiet der Exobiologie, die für alle hier von Interesse waren. In regelmäßigen Abständen nahm sie an Weiterbildungsmaßnahmen und Kongressen teil. Dadurch, daß die Friendship der großen Station zugeordnet worden war, hatte sie eine Auswahl aus den verschiedensten Veranstaltungen. Sie begann mit den allgemeinen Ausführungen, die auch für die Pfleger von Interesse waren. Im Anschluß daran würde sie für einige Minuten unterbrechen und danach einen tieferen Einblick für die Ärzte geben.


23.07.2387 – 18.00 Uhr Stationszeit

„Und was passierte dann?“, wollte Yuna wissen, während sie sich eine weitere Gabel mit ihrem Abendessen in den Mund schob. Die beiden Frauen saßen im Starlight. Sie hatten es sich zur Gewohnheit gemacht zusammen zu Abend zu essen, wobei sie die Lokalitäten zu wechseln pflegten. Restaurants auf der Station wechselten sich mit dem Starlight und ihren eigenen Quartieren ab. Yanas war sicher, daß Yuna demnächst wohl darauf bestehen würde die Bars der anderen Schiffe auszuprobieren. Wie immer würde sie ihrer springlebendigen Freundin nachgeben. Sie mußte sowieso essen und wo sie dies tat, das war ihr mehr oder weniger egal.

„Ich schwöre Dir, wir hätten beinahe einen Herzinfarkt bekommen“, erzählte die Ärztin weiter von ihrem Mittagessen, bei dem sie ungewohnten Besuch gehabt hatte. „Ich hätte schwören können, er greift ihn sich von der Schulter und beißt ihm den Kopf ab“, führte sie aus. Gemeint waren Robert Grey und Anaki. Yuna gestikulierte mit ihrer Gabel und meinte: „Aber das hat er ja wohl nicht. Ich hab nicht davon gehört, daß es heute Tote auf dem Schiff gab.“ Sie war sich bewußt, daß ihre Freundin in der Lage war, sich in eine reißende Bestie zu verwandeln, wenn sie glaubte etwas oder jemanden verteidigen zu müssen.

Yanas lachte, obwohl sie die Vorstellung ihren wenig geliebten Nachbarn aus dem Leben zu befördern halbwegs angenehm fand. Sie rief sich innerlich selbst zur Ordnung. Natürlich meinte sie das nicht ernst. „Nein, hat er nicht. Er hat sich Anaki ganz ruhig von der Schulter gefischt, ihn auf den Boden gesetzt und in aller Ruhe weitergegessen", erklärte sie, wie die Begebenheit weiter verlaufen war.

Derweil hatte Yuna ihr Mahl beendet und schob ihren Teller von sich. „Gehen wir heute Abend in eine Holosuite? Ich habe Zeit auf der Station reserviert“, wollte sie wissen. Die Ärztin zuckte die Schultern. „Was hast Du als Programm angedacht?“, wollte sie von der Counselor wissen. Die lachte. „Ich hab da ein traumhaftes Programm ausgebuddelt. Risa ist ein Dreck dagegen. Sandstrände und klares Wasser, so weit man sehen kann. Freundliche Bedienungen, angenehme Musik. Du weißt schon“, erklärte Yuna. Die andere verdrehte die Augen, meinte dann aber ergeben: „Na, meinetwegen. Ich kann sicherlich ein Flugzeug für einen Absprung dem Programm hinzufügen. Du kannst Dich ja derweil schon mal an den Strand legen.“

Yuna verzog das Gesicht. „Ich wäre froh, wenn Du diese gefährlichen Dinge sein lassen würdest“, moserte sie. Es hatte ihr nicht gefallen, als sie seinerzeit Shivan Edan so plötzlich verloren hatte. Es war etwas Ernstes zwischen ihnen gewesen. Dieser Wirt hier war zwar nur ihre Freundin, aber auf eine ähnliche Erfahrung war sie wirklich nicht scharf.

Die Ärztin lächelte sie an. „Es ist doch nur das Holodeck. Solange die Sicherheitseinstellungen okay sind, kann da ja gar nichts passieren, selbst, wenn der Schirm sich nicht öffnen sollte“, sagte sie beruhigend. Ihr Gegenüber gab sich mit der Antwort für den Moment zufrieden. Gemeinsam standen die beiden Frauen auf.

„Ich habe noch eine Sitzung mit Lieutenant Connors“, meinte Yuna, während sie sich bereits in Richtung Ausgang begab. „Wir sehen uns dann heute Abend um halb Acht?“, fragte Yanas nach. Yuna nickte. „Ich hole Dich in Deinem Quartier ab“, fügte sie dann hinzu. Dann trennten sich die Wege der beiden Frauen vor dem Starlight.


23.07.2387 – 20.15 Uhr Stationszeit.

Kleine Schweißperlen bildeten sich auf Yanas Gesicht. Sie flog durch die Luft, dem Boden entgegen. Eigentlich genoß sie diese Absprünge, aber dieses mal machte ihr das viele Meeresblau unter ihr zu schaffen. Es war noch viel zu früh, die Reißleine zu ziehen, und so konnte sie nur mit großen Augen sehen, wie sie sich mit atemberaubender Geschwindigkeit dem Nass näherte.

Yanas warf einen Blick auf den kleinen Höhenmesser und stellte erleichtert fest, daß es an der Zeit war, die Reißleine zu ziehen. Sie verfluchte sich selber leise, denn es war offensichtlich eine schlechte Idee gewesen ausgerechnet in diesem Programm einen Absprung zuzufügen.

Der Fallschirm öffnete sich über ihr und jetzt hing die Ärztin in den Leinen. Sofort nahm sie die Steuerung auf, weg vom Meer, hin zum Land. Als sie endlich wieder Land unter sich sah, begann sie endlich sich zu entspannen und den Absprung zu genießen. Sie genoß den Anblick der schönen Landschaft. Jetzt konnte sie sogar den Anblick des Meeres genießen. Einen Moment fühlte sie sich wieder wie Nale Edan, die den Ozean und vor allem seine Bewohner über alles geliebt hatte.

Schnell schob sie die Gedanken an die Vergangenheit zur Seite und zwang sich ins Hier und Jetzt, den Blick fest auf eine Hügelkette in der Ferne gerichtet. Viel zu schnell war der Boden nahe und sie setzte sanft auf dem Boden auf. Fast augenblicklich verschwand die Ausrüstung und machte wieder dem Bikini Platz, den sie unter ihrer Freizeitkleidung getragen hatte, als sie die Holosuite gemeinsam mit Yuna betreten hatte. Schnell machte sie sich auf den Rückweg an den Strand, wo sie ihre Freundin vor einer Weile zurückgelassen hatte.

Als sie schließlich ankam, konnte sie ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Yuna lag bäuchlings auf einer Liege, einen Drink neben sich abgestellt und ließ sich von einem gutaussehenden Hologramm eincremen. Yanas ging neben ihr in die Knie und meinte: „Also, ich hätte das doch auch für Dich machen können.“

Die Counselor öffnete ein wenig träge eins ihrer Augen und antwortete: „Wenn Du noch ein gutaussehender Mann wärst, dann hätte ich nichts dagegen einzuwenden gehabt.“ Yanas lachte, legte sich auf die Liege nebenan und sah auf den Ozean hinaus. Der Adonis mit der Sonnencreme war mit Yuna fertig und wollte nun dazu übergehen, die Ärztin einzureiben, aber die winkte ab. „Nein Danke“, meinte sie, woraufhin sich das Hologramm dezent zurückzog.

Yuna lachte. „Du solltest diese Dinge wirklich mehr genießen“, meinte sie. Yanas verzog das Gesicht. „Weißt Du, diese holographische Sonne wird nichtmal zu einem holographischen Sonnenbrand führen“, gab sie zurück. Jetzt verdrehte Yuna die Augen. „Darum geht es nicht. Es geht um den Spaß, den es macht, sich von einem gutaussehenden Mann eincremen zu lassen“, führte sie aus. Die Ärztin löste den Blick vom Meer vor ihr und sah ihre Freundin an. „Er ist nur ein Hologramm, nichts weiter“, meinte sie.

Yuna grinste sie breit an. „Das bedeutet, Du würdest es vorziehen, wenn Dich ein echter Mann einschmieren würde? Vielleicht Dein netter Nachbar von nebenan?“, zog sie die Ärztin auf. Die ließ sich nicht lumpen und meinte nur: „Biest!“, dann richtete sie sich auf, gab der Liege der neben ihr liegenden Psychologin einen Schubs und sah breit grinsend zu, wie diese im Sand landete und schließlich wie ein paniertes Schnitzel wieder auf ihre Füße sprang.

„Ich werde das jetzt abwaschen müssen. Laß uns schwimmen gehen!“, meinte sie und ging bereits in Richtung des kühlen Nass. Yanas schüttelte den Kopf. „Geh Du nur, ich warte hier auf Dich. Danach sehen wir, ob man hier noch mehr anstellen kann, als einfach faul in der Sonne rumzuliegen“, meinte sie, dann drehte sie sich herum, schob ihren Strohhut in ihr Gesicht und schloß die Augen.


23.07.2387 – 22.30 Uhr Stationszeit.

Mit einem leisen Kichern lehnte Yanas sich an die Wand. Der Abend war sehr angenehm verlaufen. Nach dem Besuch in der Holosuite hatte sie sich noch mit Yuna in die zugehörige Bar gesetzt. Aus einem Drink waren zwei geworden und aus zweien Drei. Die Ärztin war Alkohol nicht gewöhnt, und so hatte sie schwer mit sich selber zu kämpfen gehabt auf dem Heimweg. Immer, wenn den beiden Frauen jemand entgegen gekommen war, hatten sie sich kerzengerade gehalten und ihren Heimweg vorbildlich fortgesetzt – bis der Passant um die Ecke verschwunden war. Insgesamt war alles jedoch ohne irgendwelche Pannen von statten gegangen. Kein lautes Kichern, kein Schwanken, keine Lieder. Das Leben als Senioroffizier eines Sternenflottenschiffs hatte definitiv auch Nachteile.

Sie entledigte sich ihrer Schuhe gleich an der Tür, dann schlenderte sie barfuß in ihr Schlafzimmer hinüber. Die Kleidung landete in der Wäsche, dann ließ sie sich in ihrer Unterwäsche ins Bett fallen. Unter der Decke wühlte sie herum, bis sie ihr Nachthemd gefunden hatte. Einige Minuten später hatte sie es geschafft, sich das unhandliche und störrische Teil über den Kopf zu ziehen.

„Computer. Licht aus. Wecken um 4.45“, orderte sie, dann war sie wenige Augenblicke später bereits im Reich der Träume.


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