Folge 13

Aus U.S.S. Friendship

Zusammenfassung

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Autor: Shiong-Soon Leong
Titel: Folge 13

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Konzentriert blickte Shiong-Soon auf die Pflanze vor ihm. Soeben hatte er den kleinen, flachen Busch, der in seinem Quartier auf dem Wohnzimmertisch stand, gewässert. Ihm fielen einige Stellen auf, an denen die fingernagelgroßen Blätter braun geworden waren. Er stellte die Gießkanne auf die Ecke des Tisches. Mit der einen Hand schob er die gesunden Blätter zur Seite, um mit der anderen Hand die welken Teile des Gewächses einzusammeln. Zupfend füllte sich die linke Hand mit knisterndem Blattwerk. Er drehte die Schale des Busches noch einmal und zufrieden bemerkte er, daß er alle Stellen gefunden hatte.

Barfuß wie er war, tappte er zum Sammelbehältnis in der Ecke des Raums, in das er den Müll zu legen pflegte. Am Abend würde er dessen Inhalt dem Recycling zuführen. Zufrieden ließ er seinen Blick über sein kleines Pflanzenreich fallen. Nachdem er sich sicher war, jede einzelne gegossen zu haben, holte er die Gießkanne vom Wohnzimmertisch und stellte sie in das Wandregal zurück.

Jetzt konnte er sich wieder seinem Tee widmen. Im Replikator bestellte er sich eine kleine Kanne kochendes Wasser. Er trug sie zum Beistelltisch, auf dem bereits eine Porzellantasse auf ihn wartete. Das Wasser setzte er auf die danebenliegende Korkplatte ab. Seine rechte griff unter den Beistelltisch und holte ein Holzkästchen hervor. Es war mit malaysischen Schnitzereien verziert und zeigte Figuren der Geschichte seines Landes. Er klappte mit der anderen Hand den Deckel nach hinten und der feine Geruch von getrocknetem Grünen Tee strömte durch seine Nase. Shiong-Soon hob mit beiden Händen das Kästchen näher und während er die Augen schloß atmete er langsam tief ein. Er blinzelte einige Male als der würzige Duft seinen Lungen entwich.

Mit drei Fingern seiner linken Hand entnahm er dem Behältnis die für ihn richtige Menge an Grünem Tee und ließ sie in Stoffbeutelchen fallen. Das Utensil hatte seine helle Farbe schon vor einiger Zeit verloren. Er legte es in die Tasse, klappte das Kästchen zu und stellte es wieder unter den Tisch. Schließlich goß er das nun nicht mehr kochende Wasser durch den Beutel hindurch in die Tasse.

Nachdem er die Kanne wieder abgestellt hatte, ließ er seine Gedanken wandern. Shiong-Soon war sich sicher, daß sein Zeitgefühl ihm auch dieses Mal rechtzeitig Bescheid geben würde, wenn der Tee fertig wäre.


Das Deck zitterte unter den Füßen von Lieutenant Commander Leong. Er stand hinter seinem Captain an der Waffenkonsole und bemühte sich zusammen mit Ensign Jean Banny die U.S.S. Shakuras gegenüber den Schiffen des Dominion zu verteidigen.

„Jäger achtern, zwei Torpedos, anvisieren“, befahl er der Frau neben sich, während er auf seiner Konsole die Lage überblickte. „Angriffsmuster Sigma, Skalierung 0,9“, ergänzte er kurz darauf, nachdem er abgewägt hatte, auf welche Art und Weise der Jäger am Besten zu treffen sein würde.

„Zwei Torpedos, Sigma, 0,9, Aye“, kam die knappe Bestätigung nachdem sie die Torpedos programmiert hatte.

Shiong-Soon fühlte, wie der Boden unter ihm wegzukippen schien, als der Pilot an der Conn ein scharfes Ausweichmanöver vollführte. Die Knöchel seiner Hände traten weiß hervor, als er sich an seiner eigenen Konsole festhielt. Donnern erfüllte die Brücke. Die Shakuras hatte der letzten Salve nicht rechtzeitig ausweichen können. Reflexartig überprüfte er die Anzeigen und bemerkte erleichtert, daß die Programmierung für die aktuelle Lage noch paßte. „Feuer!“, rief er und sah, wie auf seiner taktischen Anzeige zwei blaue Kreuze den Kreis in der Mitte verließen. Je ein Strich ragte aus dem Kreuz heraus und gab damit Richtung und Geschwindigkeit der Torpedos an. Er kniff die Augen zusammen, während die Symbole sich rasch einem beschrifteten roten Kreis näherten, der ebenfalls einen Richtungspfeil hatte.

„Gleicher Jäger, zwei Torpedos, Angriffsmuster Theta, Skalierung 0,85“, rief er. Sein flaues Gefühl im Bauch sagte ihm, daß der Feind es schaffen würde, den Geschossen auszuweichen. Eine gelbe Markierung ließ einen Adrenalinschub durch seinen Körper schießen. Ein Torpedo hatte getroffen. „Feuer“, schob er nach, noch ehe die Bereitschaft signalisiert wurde. Für die Ensign war es das Zeichen, sofort zu schießen, wenn es möglich war.

Wieder erschienen zwei blaue Kreuze, die sich rasch auf Rot zubewegten. „Komm schon ... komm schon ...“, sagte er leise zu sich. „Komm ... schon ...“

Sie trafen alle beide. Der rote Kreis wurde grau. Er wurde grau! Drei Tastendrucke später bestätigten die Sensoren Shiong-Soon, daß ein Dominion-Jäger mehr ihnen keinen Ärger bereiten würde. „Jäger zerstört, Captain“, berichtete er. Gleich anschließend klatschte er mit Ensign Banny ab. Das war ihr kleines Ritual, um mit dem Streß des Krieges fertigzuwerden.

Etwas war nicht in Ordnung. „Captain?“, murmelte der Malaye halblaut als er bemerkte, wie der Mann vor ihm sehr unnatürlich im Stuhl hing. Erst jetzt bemerkte er den beißenden Qualm, der in der Luft hing. „Übernehmen“, befahl er der Ensign knapp und stürmte um die Brüstung herum, die ihn vom Captain's-Chair trennte. „Leong an Krankenstation, wir haben Verletzte auf der Brücke“, meldete er während er vorsichtig den Hals des kommandierenden Commanders betastete. Er fühlte keinen Puls, aber das konnte täuschen. Er mußte sich täuschen.


Shiong-Soon Leong saß an der Theke im Starlight und stocherte ein wenig in seinem Essen. Felina stand ihm gegenüber. Neugierig hatte sie ihn gefragt, wie er Captain geworden war. Nach einigem Überlegen hatte er beschlossen, ein wenig darüber zu erzählen. „Die Shakuras war schwer beschädigt. Ich hatte noch der Krankenstation Bescheid gegeben, aber der Sanitäter hatte nur noch den Tod von Commander Rougeau feststellen können.“

Der Malaye machte eine kurze Pause, während der er eine Gabel voll seines Abendessens zu sich nahm. Als fertig gekaut war, fuhr er fort: „Also mußte ich dran. Und weil es niemanden in der Flotte gab, der mich ablösen konnte, war der Captain's-Chair für den Rest des Kriegs meiner.“ - „Und damit wird man zum Captain befördert?“, hakte Felina ein. „Nein. Da noch nicht. Aus Tradition wird jeder Captain genannt, dessen Schiffs es ist. Aber Commander hat man mich gemacht.“ Er nahm wieder eine Gabel voll.

„Während der letzten Monate hatte ich gemerkt, daß mir die Schiffsführung lag. Irgendwie hat die Sache mir zum Schluß sogar Spaß gemacht. So merkwürdig wie das klingt. Trotz des Krieges.“ Der Malaye schwieg eine Weile und sah Felina dann in die Augen. „Aber ich sage Ihnen, es gab Zeiten, da habe mich dafür gehaßt! Ich habe gelernt, daß man manchmal Dinge tun muß, die man haßt, um noch einen weiteren Tag zu überleben.“

Mit diesen Worten spießte er eine einzelne Erbse auf, hielt die Gabel hoch und betrachtete sie eingehend von allen Seiten. Er dachte dabei an die zwei Sicherheitsleute, die er in den Tod geschickt hatte. Auf Amparo waren sie von allen Seiten eingekesselt worden. Die einzige Möglichkeit zu entkommen, war ein Selbstmordkommando gewesen. Er hatte ihnen befohlen, schwer bepackt mit Sprengstoff in die Reihen des Dominion vorzurücken. Als sie zuletzt entdeckt wurden, hatte der Totmannschalter wie erhofft funktioniert. - Genausogut hätte er sie selbst erschießen können.

Schließlich nahm er die Erbse in den Mund und sagte: „Aber es gab niemand anderen. Und als der Krieg schließlich vorüber war, mußte ich die Shakura wieder abgeben. Gefallen hat es mir nicht. Naja ... und zwischen damals und jetzt habe ich die Captain's-Ausbildung nachgeholt.

Wie Sie sehen habe ich es geschafft“, bemerkte er mit einem Lächeln.


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