Folge 6

Aus U.S.S. Friendship

Zusammenfassung

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Autor: Shiong-Soon Leong
Titel: Folge 6

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Langsam zogen die Sterne ihre Bahnen über den Himmel. Die Nacht war klar. Genauer betrachtet, waren alle Nächte auf diesem Planeten klar. Knackende Kälte beherrschte die Oberfläche und sorgte dafür, daß fast die gesamte Atmosphäre sich in Ozeanen verflüssigte. Der kärgliche Rest war gerade gut genug, einigen absonderlichen Spezies das Überleben zu sichern.

Eine zweite Sache war ungewöhnlich an diesem Ort. Es herrschte immer Nacht. Egal auf welchem Platz des Globus man sich befand, ihn umgab nur das Licht der entfernten Sterne. Palomar Cygni war ein wandernder Planet ohne Heimatstern.

Auf einem dieser Plätze stand Gr'nka und fühlte sich sichtlich wohl. Ab und zu hob er die Hand und führte ein kleines Atmungsgerät an sein Gesicht, um diejenigen Gase zu atmen, von denen dieser Planet zuwenig bot. Obgleich die Gegend für seinen Geschmack auf Dauer zu dunkel war, fühlte er sich zuhause. Abseits der eigenen Raumschiffe und der Heimat haßte er es, die Kälteanzüge tragen zu müssen. Hier brauchte er sie nicht.

Er bückte sich und hob einen kleinen Stein auf. Halb faustgroß und glatt wog er ihn in der Hand, während er gedankenverloren weiterlief. Sanft strich er mit dem Daumen über dessen flache Stelle. Obwohl Tageszeiten an diesem Ort keinen Sinn hatten, war er auf dem Weg zu seiner Frühschicht. Die Unterkunftskuppel hatte er vor kurzem hinter sich gelassen. Er zog es vor, das Bodenfahrzeug nicht zu benutzen und freute sich jedes Mal auf seinen kleinen Spaziergang.

Durch seine Nachtsichtbrille erspähte er seinen liebgewonnenen Kohlendioxidsee. Den kurzen Umweg auf dem Weg zur Arbeit gönnte er sich gern. Kurz verweilte er am Ufer und genoß die Aussicht. Noch einmal wog er den Stein und legte ihn sich dann auf die Finger. Mit einer kräftigen Bewegung schleuderte er er ihn flach auf die Flüssigkeit und freute sich, wie er fast ein Dutzend Mal auftitschte, ehe er versank.

Sein Zeitmesser gemahnte ihn weiterzugehen. Die Forschungsarbeiten warteten nicht auf den Breen.




Nachdenklich stand Shiong-Soon im Rahmen der Tür, der den Wohnbereich seiner Kabine mit der Naßzelle verband. Er hatte ein Badetuch um seine Hüften geschlungen und lehnte mit der einen Hand an der Wand. „Wo kann der Planet abgeblieben sein?“, fragte er sich selbst. Fast schleichend tappte er mit blanken Füßen in Richtung seines Betts. Ordentlich lag darauf die frische Uniform, die er zehn Minuten zuvor dort bereitgelegt hatte. Noch während er begann, sich anzuziehen, tippte er auf das Wanddisplay. „Computer, zeige mir noch einmal den letzten Bericht von Lieutenant T'Pel.“

„Nächste Seite“, forderte er das Gerät auf, als das Hemd über seinen Oberkörper fiel.

T'Pel hatte die wenigen Vermutungen und Hypothesen gut aufbereitet und auf das Wesentlichste beschränkt. Palomar Cygni hätte auf einem elliptischen Kurs seit drei Wochen den Föderationsbereich durchqueren müssen. Die U.S.S. Friendship hatte den berechneten Weg zweimal mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgeflogen und mit verschiedenen Sensorkonfigurationen untersucht.

Die Vulkanierin schloß die Zerstörung des Planeten aller Wahrscheinlichkeit nach aus. Sämtliche fatale bekannte Raumphänomene hinterließen eine mehr oder weniger große Trümmermasse.

Nachdem er die Schuhe angezogen hatte, stand Captain Leong auf und wandte sich dem Display zu.

Eine realisierte Tarnung war nicht vollständig ausgeschlossen, doch sie schätzte deren Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr gering ein. Dagegen sprach der Aufwand und der mutmaßliche Energiebedarf. Nach allen bekannten Techniken hätte die große Schwerkraft Palomars obendrein nicht vollständig verschleiert werden können.

„Nächste Seite.“

Die abschließende Seite des Berichts endete mit einigen Mutmaßungen. Die Vulkanierin wollte die Existenz unbekannter physikalischer Effekte nicht gänzlich ausschließen. Als Referenz gab sie den nicht vollständig verstandenen Prozess aus einem Protokoll der Trill Jadzia Dax über den Planeten Meridian an.

„Aldea“, dachte Shiong-Soon laut. „Bitte wiederholen Sie die Eingabe“, beschwerte sich höflich der Computer. Mit zwei Tastendrucken beendete er den Computer und damit die Anzeige der Analyse. Er wandte sich seinen Pflanzen zu und strich ihnen sanft über die grünen Blätter. „Wir sollten eine Anfrage an die Aldeaner schicken. Vielleicht können sie uns mitteilen, wonach wir suchen müßten, wenn jemand ihre Technik nachgebaut haben sollte.“

Mit diesen Gedanken betrachtete er sich im Spiegel, fuhr sich kurz durch die Haare und verließ sein Quartier in Richtung Brücke.




Gr'nka legte die rechte Hand auf das Gebäude vor ihm. Die in der Wand eingelassene Sensorfläche erkannte ihn als den, der er war und piepte bestätigend. Unbewußt trat er einen Schritt nach links und wartete, daß sich die zwei Hälften der Schiebetür zur Gänze geöffnet hatten. Er setzte seinen Weg fort und beachtete die Kristallpflanzen nicht weiter, die den Flur links und rechts säumten und zierten.

„Guten Morgen“, hörte er eine weibliche Stimme halb hinter ihm. „Guten Morgen, Qalpsa“, erwiderte er den Gruß. „Auch wieder bereit, die unzähligen Mysterien des Universums zu ergründen?“, fragte er sie und verlangsamte dabei seine Schritte, damit sie aufholen konnte. „Das fragst Du mich doch jedes Mal.“ - „Und was ist die Antwort?“ - „Meine Antwort ist Ja, wie jedes Mal“, sagte sie und lächelte.

Beide näherten sich dem Ende des Flurs, an dem eine Schiebetür offenstand. Sie gingen hindurch und sahen sich drei weiteren Kollegen gegenüber. Sie waren ein eingespieltes Team, seitdem Gr'nka entdeckt hatte, daß Palomar Cygni verschwinden würde. Sie hatten gerade eben genug Zeit gehabt, einen Forschungsposten auf dem Planeten zu errichten. Sie hatten sich von ihren Familien überhastet verabschiedet. Niemand wußte, ob es eine Reise mit Wiederkehr sein würde. Ein Himmelsfahrtskommando. Doch Qalpsa hatte recht behalten.

„Dann laßt uns anfangen“, schlug der Breen an der Kopfseite des Versammlungstisches vor. „Die Beobachtungen der 'Nacht' zeigen die üblichen Fluktuationen im Gravitationsschaum ab ca. 10 Kilometern Höhe.“

Qalpsa und Gr'nka hatten ein gutes Dutzend Forscher für sich gewinnen können, die das Wagnis eingegangen waren. Der Kurs des Planeten hatte ihn im letzten Zyklus auf einen Pfad geführt, der ihn durch ein interessantes Raumgebiet geführt hatte. Den Befürchtungen zum Trotz wurde er durch die dortigen Naturphänome nicht zerstört. Im Gegenteil ließ es sich hier an der Oberfläche weiter angenehm leben.

Der Planet war unbeobachtbar geworden. Das Grüppchen hier in der Kuppel hatte die Aufgabe herauszufinden, was geschah. Viel wichtiger noch: Wie man den Effekt technisch wiederholen konnte. Eine der wichtigsten offenen Fragen blieb jedoch ... war der Effekt umkehrbar?




„Captain, wir erhalten eine Subraumbotschaft von Aldea. Er ist mit Governess Rashella unterzeichnet“, meldete die Romulanerin S'anra i-Naran t'Aenikh. „Legen Sie es mir auf meinen Bildschirm“, bat der Halb-Malaye und lehnte sich nach links, um auf das eingelassene Display in seinem Stuhl zu schauen. Mit einigen Tastendrucken rief er die Botschaft auf.

„Seien Sie mir gegrüßt. Nach einigen Absprachen mit unseren Wissenschaftlern übersende ich Ihnen die angehängten Dokumente. Sie enthalten die Beschreibung der Tarnvorrichtung unseres Planeten, soweit wir diese bislang rekonstruieren konnten. Ich hoffe, sie werden sie nutzbringend verwenden können. Rashella“

Bedächtig richtete sich Shiong-Soon in seinem Sessel wieder auf, nachdem er sich seitlich abgestützt hatte. „Leong an Wissenschaft“, eröffnete er einen Kanal.

„T'Pel hier“, meldete sich fast verzögerungsfrei die Leiterin der entsprechenden Abteilung. „Lieutenant, ich leite Ihnen einige Berichte des Planeten Aldea weiter. Ich möchte, daß sie diese daraufhin untersuchen, ob sie möglicherweise auf das Verschwinden von Palomar Cygni anwendbar sind.“ Mit einem nicht sichtbaren leichten Nicken beantwortete die angesprochene den Befehl mit einem: „Aye, Sir“, und beendete damit die Verbindung.


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